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Das Landesprogramm Talentsuche-Talentförderung – Talente unter der Lupe
Talentförderung nach Maß
Zum Abschluss unserer kleinen Serie zum Landesprogramm „Talentsuche-Talentförderung“ richten wir in dieser Ausgabe den Blick auf drei Nachwuchstalente, die in ihrer schulischen und sportlichen Entwicklung das Landesprogramm in ganz unterschiedlichen Ausprägungen nutzen. Juliane Schulze, Ilka Grünewald und Noah Weber sind Schüler des Goethe-Gymnasiums Kassel, das als „Partnerschule des Leistungssports“ und federführende Schule des Schulsportzentrums im Einzugsgebiet der Stadt Kassel die schulischen Fördermaßnahmen koordiniert.
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Noah Weber, Tischtennistalent aus Kassel, beim Probetraining im Talentförderprojekt der Carl-von-Weinberg-Schule, Frankfurt
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Hierzu gehören im Schulsportzentrum 19 Talentaufbaugruppen und die darauf aufbauenden Talentfördergruppen in sieben Sportarten, die die sportlichen Grundsäulen des Landesprogramms „Talent-suche-Talentförderung“ bilden. Unmittelbar an die Partnerschule des Leistungssports angebunden sind sechs Talentförderprojekte in Verbindung mit den Lehrer-Trainer-Stellen mit den entsprechenden pädagogischen Unterstützungsmaßnahmen.
Talentförderprojekte Juliane Schulze kommt ursprünglich vom Turnen, trainiert heute schwerpunktmäßig im Talentförderprojekt Leichtathletik unter der Leitung von Lehrer-Trainer Michael Hocke und gehört dem E-Kader in Kassel an. Zweimal pro Woche nimmt sie darüber hinaus am Training des Talentförderprojekts Gerätturnen teil, denn mittlerweile findet sie am Stabhochsprung Gefallen und hier sind turnerische Qualitäten von großem Vorteil. Sie ist im Sinne des Landesprogramms „Talentsuche-Talentförderung“ ein idealtypisches Talent, denn bereits zur Grundschulzeit hat sie am Training der Talentaufbaugruppe (TAG) teilgenommen. Schon in der dritten Klasse stand für sie und ihre Eltern fest, dass sie die Sportklasse am Goethe-Gymnasium besuchen möchte, um somit Leistungssport und Schule zu kombinieren.
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Die Trainingsgruppe im Talentförder-projekt Gerätturnen am Sensenstein unter der Leitung von Stephan Riedinger. Alle Fotos: Martina Hoßfeld
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In diesen Profilklassen werden Strukturen geschaffen, die zur Entlastung und sinnvollen Rhythmisierung des Tages beitragen und so weitgehend sicherstellen, dass schulische und leistungssportliche Anforderungen bewältigt werden können. Zweimal pro Woche können die jungen Sportklassenschüler/innen im Vormittagsbereich mit Sport als Wahlunterricht bzw. anstelle des schulischen Sportunterrichts in den Talentförderprojekten trainieren. An langen Schultagen steht den Schülern die schuleigene Mensa im Nebengebäude für ein ausgewogenes Mittagessen zur Verfügung.
Für Juliane knüpfen die anderen Trainingseinheiten direkt an den Unterricht an. Das bedeutet zwar ein straffes Programm bis in den Nachmittag, aber dafür hat Juliane am späten Nachmittag Zeit zum Lernen oder Freizeit. Beim LAV Kassel trainiert sie hauptsächlich in den Ferien, „zum Glück, denn die Gruppen sind sehr voll.“
Am Kasseler Goethe-Gymnasium konnte in den vergangenen Jahren in jedem Jahrgang der Mittelstufe eine Sportklasse eingerichtet werden. Für die 30 Plätze in der Sportklasse bewerben sich jährlich ca. 70 leistungssportorientierte Kinder aus der Region.
Zu diesen Bewerbern gehörte auch Ilka Grünewald. Sie ist Schülerin der 9e und trainiert bei Lehrer-Trainer Stephan Riedinger im Talentförderprojekt Gerätturnen. Ihre Grundschule in Söhrewald-Wellerode liegt weit außerhalb des Einzugsgebiets der Talentaufbaugruppen, so dass sie keine Talentaufbaugruppe besucht hat. Aber der frühe Einstieg in das Gerätturnen bei der TSG Wellerode und ihre sportliche Entwicklung führten Ilka ebenso in die Sportklasse des Goethe-Gymnasiums. Mit dem Training im Talentförderprojekt und dem Vereinstraining kommt Ilka auf sieben Trainingseinheiten pro Woche. Die kleinen Annehmlichkeiten der Sportklassenschüler, beispielsweise keine Klassenarbeiten am Montag, die problemlose Freistellung für Lehrgangs- und Wettkampffahrten und die Aufgeschlossenheit der in den Sportklassen eingesetzten Fachlehrer für die organisatorischen Belange der leistungssportlich aktiven Schüler, weiß Ilka sehr zu schätzen. Den für Sportschüler und Sportschülerinnen kostenfreien und gezielt eingerichteten Stütz- und Förderunterricht benötigt sie nicht. Sie möchte das Abitur machen und Medizin studieren.
Ausnahmetalent Solch gute Bedingungen für die „duale Karriere“ mit optimalem Schulabschluss und optimaler Leistungsentwicklung im Sport findet Noah Weber in seiner Sportart Tischtennis in Kassel nicht. Er ist Sportklassenschüler in der Jahrgangsstufe 7 ohne Anbindung an ein Talentförderprojekt. Bei zu geringer Leistungsdichte in einer Sportart können die Sportfachverbände keine Stützpunkte vorhalten. Der Hessische Tischtennis-Verband (HTTV) hat vor einigen Jahren sein Landesleistungs-zentrum am Sensenstein aufgegeben, folglich lassen sich Lehrer-Trainer-Projekte nicht sinnvoll einrichten.
Eine Basis für seine bisherige sportliche Entwicklung fand Noah bislang auf Vereins- und Bezirksebene in Kassel. Doch nun gehört er zu den vier besten Schülern im Bundeskader U12-Schüler und wird als Ausnahmetalent gehandelt. Um sein sportliches Entwicklungspotenzial voll auszuschöpfen und weiterhin die besten schulischen Unterstützungsmöglichkeiten zu erhalten, steht er nun vor der Entscheidung, an den Bundesstützpunkt in Frankfurt zu wechseln. Damit wäre der Einzug in das Haus der Athleten (Internat) an der Eliteschule des Sports verbunden, der Besuch der Sportklasse an der Carl-von-Weinberg-Schule, die Einbindung in das Talentförderprojekt Tischtennis unter der Leitung des Lehrer-Trainers Johannes Herrmann und optimale Trainings- und Betreuungsbedingungen im Leistungszentrum. Eigentlich ein Wechsel in das Tischtennis-Schlaraffenland und dennoch ein großer Schritt für einen gerade Dreizehnjährigen! Wir wünschen ihm und seinen Sportklassenkolleginnen alles Gute!
Wer sich weiter über das Landesprogramm „Talentsuche-Talentförderung“ informieren möchte, findet auf der Internetseite des Vereins zur Förderung sportlicher Talente in den hessischen Schulen e.V. (www.talentfoerderung-in-hessen.de) die Struktur des Landesprogramms und die jeweiligen Ansprechpartner.
Martina Hoßfeld |